"Invest & Access" von Mintos vs. Bondora "Go & Grow"

Mintos hat was Neues! Investieren in P2P-Kredite ohne Laufzeit mit der Möglichkeit, das Geld sofort abheben zu können. Und das bei aktuell um die 12% Rendite pro Jahr. "Invest & Access" macht es möglich!

Doch so schön es sich anhört, natürlich kommt auch dieses Anlageprodukt nicht ohne Risiken daher. Schon gar nicht, wenn wir über 12% Rendite im Jahr sprechen. Kredite können ausfallen und Kreditgeber pleite gehen, dieses Risiko ist in der Kreditbranche omnipräsent.

Wer Go & Grow von Bondora kennt, dem wird das Konzept des neuen Mintos-Produkts bekannt vorkommen. Weiter unten gehe ich auch auf die Unterschiede zwischen beiden Produkten ein, die mir aufgefallen sind.

Mintos Invest & Access vorgestellt

85% der Nutzer auf Mintos investieren per Auto Invest. Die große Mehrheit hat also kein Interesse daran, sich die Kredite, in die investiert werden soll, manuell auszusuchen. Im Groben bestätigt es aber auch, dass Anlagekomfort, sowie auch sofortige Liquidität, die beim Investieren in P2P-Kredite technisch eigentlich schwieriger ist, sehr gefragt sind. Das hat auch die erfolgreiche Einführung des Konkurrenzprodukts Go & Grow gezeigt. Es liegt also nahe, dass Mintos hier mit einer eigenen Variante nachzieht.

Invest & Access funktioniert so, dass man sich ein Konto eröffnet mit einem Portfolio-Ziel (man braucht nicht die ganze Summe vollständig von Anfang an zu haben) von mindestens 500 Euro. Anschließend zieht sich Invest & Access alles verfügbare Geld bis zum eingestellten Ziel vom Hauptkonto und investiert im Hintergrund in Privatkredite der verschiedensten Kreditgeber auf der Plattform.

Die Regeln lauten wie folgt: Investiert wird nur in Kreditgeber, die seit mindestens seit 6 Monaten Teil der Plattform sind. Außerdem werden nur Kredite mit Rückkaufgarantie aufgenommen. Reinvestiert wird zu jeder Zeit vollautomatisch, davon bekommt man überhaupt nichts mehr mit und es wird von Mintos betont, dass man hier in besonders gefragte Kredite als aller erstes investiert, noch bevor sie auch auf dem Primärmarkt veröffentlicht werden und für Leute verfügbar sind, die beispielsweise per Auto Invest investieren oder manuell.

Das Schöne bei Mintos ist, dass man automatisch und sehr schnell eine sehr hohe Diversifizierung erreicht, da man sein Geld hier vielen Kreditgebern auf der ganzen Welt zur Verfügung stellt. Denn es ist nicht so, dass Mintos selbst die Kredite vergibt, sondern, dass die Plattform als Vermittler für die verschiedensten Kreditgeber auftritt, welche die Kredite dann lokal vergeben.

Die Rückkaufgarantie ist schön, auch ich investiere dort nur in Kredite, bei denen sie vorhanden ist. Doch ist das Investment dadurch gleichzeitig stärker an den Erfolg es Anbieters geknüpft, denn sollte dieser pleite gehen, bringt wahrscheinlich auch die Rückkaufgarantie nichts mehr, weil sie die nicht mehr bezahlt werden kann.

Die Rendite ist hier nicht fix, sondern variiert je nach Marktlage und Krediten, die dann tatsächlich im Portfolio landen. Im Portfolio liegen einzelne Kredite mit ihren jeweils eigenen Zahlungsterminen. Man bekommt also nicht etwa täglich Zinsen gezahlt (außer man hat bereits in so viele Kredite investiert, dass auf jeden Tag im Monat eine Zahlung fällt).

Man bekommt eine sehr große Diversifizierung über eine wirklich sehr große Menge an Krediten. Man kann sich das Geld jederzeit auszahlen, sofern es der Markt zulässt, denn die zu verkaufenden Kredite werden einfach an andere Interessenten zum Nennwert übertragen. Der Mindestbetrag für die Auszahlung beträgt 10 Euro. Zu beachten ist unbedingt, dass bei Invest & Access nur Geld für laufende Kredite sofort ausgezahlt werden kann. Bei Krediten in Verzug muss gewartet werden, bis die Rückkaufgarantie gegriffen hat, was einen im schlimmsten Fall 60 Tage warten lässt. Diese Aufteilung in fristgerechte Kredite und jene in Verzug ist auf der Seite von Invest & Access sofort ersichtlich.

Das ist wirklich wichtig zu wissen, denn die Wahrscheinlichkeit, den kompletten Betrag, den man auch eingezahlt hat, sofort und in ganzer Höhe wieder abzubuchen, ist durch diese Einschränkung relativ gering. Außer man hat gar keine verspäteten Kredite, was wiederum auch eher unwahrscheinlich ist.

Es fallen keinerlei Gebühren an, nicht für das Einzahlen, nicht fürs Abheben. Schauen wir uns noch mal zum Vergleich Bondora Go & Grow an, den direkten Konkurrenten auf dem P2P-Markt.

Die Unterschiede zu Bondora Go & Grow

Als Erstes fällt auf, dass die Rendite nicht variabel ist, sondern fix bei bis zu 6,75%. Das ist schon so seit Beginn, theoretisch kann sie aber je nach Marktsituation angepasst werden.

Bei Bondora Go & Grow investiert man nicht mehr sichtbar in einzelne Kredite, sondern in einen Pool von Krediten. Deswegen wird hier auch kein Unterschied mehr gemacht zwischen laufenden und verspäteten Krediten. Man kann alles Geld sofort und auf der Stelle auszahlen, ohne Wenn und Aber.

Um diese beispiellose Flexibilität zu ermöglichen, gibt Bondora nicht die komplette Rendite an die Investoren raus, die sie selbst mit ihren Krediten verdienen, sondern halten sich einen gewissen Teil als Puffer vor. Anders würde dieses Produkt nicht funktionieren.

Wie bereits erwähnt ist bei Go & Grow unabhängig des Kreditstatus eine prompte Auszahlung möglich. Braucht man schnell sehr viel Geld, stehen hier die Chancen besser als bei Invest & Access. Sollte der Markt in Schieflage geraten und Bondora in Zahlungsnot (z. B. dadurch, dass alle Anleger gleichzeitig abheben wollen), ist in den AGB geregelt, dass das Geld entweder in einem Stück ausbezahlt wird, sobald es verfügbar ist, oder aber in täglichen kleinen Raten, je nach Verfügbarkeit.

Um die Funktionsweise dieser Konkurrenten noch einmal deutlich zu machen: Während wir bei Bondora Go & Grow eher in einen Pool von Krediten investieren, der nicht mehr direkt von einzelnen Krediten abhängt und man sich die Kredite dazu auch gar nicht ansehen kann, weil es sich um das gesamte Portfolio von Bondora selbst handelt, sieht man bei Invest & Access eine deutliche Verknüpfung zu einzelnen Krediten. Wenn man möchte, kann man sich diese bei den eigenen Investitionen auch haarklein mit allen dazu gehörenden Details ansehen.

Es gibt einige kritische Stimmen, die sagen, dass es schlecht ist, dass man sich die Kredite bei Go & Grow nicht ansehen kann. Doch wird im Blog von Bondora sehr transparent berichtet, wie sich das Go & Grow Portfolio zusammensetzt. Es sind Zehntausende Kredite darin enthalten.

Fazit

Beide Tools haben absolut ihre Berechtigung. Bei Mintos haben wir natürlich erst einmal die höhere Rendite, dafür aber wahrscheinlich etwas weniger Liquidität durch die eingeschränkte Flexibilität, sofort das ganze Geld auszahlen zu können. Sicher wird nicht der Löwenanteil der Kredite ausfallen, doch würde man alles auf einmal abheben wollen, würde sich das zumindest schwieriger gestalten als bei Bondora. Bondora hat die niedrigere Rendite, aber dafür die maximale Flexibilität, die komplett unabhängig ist von irgendwelchen in Verzug geratenen Krediten.

Ganz wichtig: Beide Tools kann man nicht mit einem Tagesgeldkonto vergleichen. Erstens, weil man natürlich immer noch in Privatkredite investiert und weil die 100.000 Euro Einlagensicherung vom deutschen Staat dafür fehlt. Das investierte Kapital ist ganz klar mit Risiken behaftet. Auch werden alle Anbieter stets in Schwierigkeiten kommen, wenn alle Investoren ihr Geld auf einmal zurückhaben wollen. Bei Mintos muss für ein funktionierendes System immer genug Nachfrage durch Investoren vorhanden sein, die die Kredite eines anderen übernehmen, und Bondora muss immer genug Cash vorhalten, damit alle, die auszahlen wollen, sofort ihr Geld bekommen können.

Ich plane aktuell nicht, bei Invest & Access einzusteigen, denn meine jährliche Nettorendite profitiert dadurch nicht. Und die begehrte Rückkaufgarantie habe ich auch, wenn ich per Auto Invest investiere. Automatisch investieren zu können ist denke ich aber für viele eine Erleichterung, also wird das Tool vermutlich Anklang unter den Anlegern finden.