Ist der Sparer-Freibetrag unwichtig?

In diesem Blogpost geht es um den Sparer-Freibetrag und der Antwort darauf, warum er gerade für den Kleinanleger entscheidend ist.

Der Sparer-Freibetrag kurz erklärt: Mit dem Sparer-Freibetrag darf man aktuell Einkünfte aus Kapitalvermögen von 801 Euro (1602 Euro als Ehepaar) im Jahr haben, ohne dafür die normalerweise anfallende Abgeltungssteuer von knapp 28 % mit Soli und Kirchensteuer bezahlen zu müssen. Zinsen, Dividenden, Kursgewinne aus realisierten Aktien-, Fonds-, oder Währungsgeschäften zählen zu solchen Kapitalerträgen. Und Achtung, der Freibetrag ändert sich alle paar Jahre. So waren es 1975 mal 300 DM, 1993 – 1999 waren es 6000 DM und seit 2009 sind es eben die 801 Euro.

Grundsätzlich habe ich nichts dagegen, Steuern zu sparen, weshalb ich den Freibetrag nicht als unwichtig bezeichnen würde. Es gibt jedoch Meinungen, die sagen, die Steuern und Inflation würden so oder so alle Gewinne wegfressen, weshalb auch der Freibetrag unwichtig sei. Die grundlegende Kritik an Steuern und Inflation ist eine Sache, die vermeintliche Unwichtigkeit des Freibetrages eine andere.

Wie viel lässt sich mit dem Sparer-Pauschbetrag sparen?

Unwichtig mag der Freibetrag für den Millionär sein, der mehrere Tausend Euro Rendite pro Monat macht, für den Kleinanleger bedeutet er jedoch eine Steuerersparnis von ungefähr 200 Euro pro Jahr. Und was man mit 200 Euro anstellen kann, kann individuell sehr unterschiedlich sein. Das ist jedoch die Hausnummer, um die es geht. 200 Euro haben oder nicht haben.

Besonders dem anfangenden Kleinanleger sollte klar sein, dass ihm nicht von Anfang an von allen Seiten seine Kapitalerträge genommen werden, denn die 801 Euro Freibetrag pro Jahr ermöglichen ihm steuerfreie Gewinne von 66,75 Euro pro Monat, bevor er sich darüber ärgern darf, dass ihm Steuern genommen werden. Und das muss man erst mal erreichen.

Eine kurze Rechnung veranschaulicht das. Gehen wir davon aus, man erreicht 4 % Rendite pro Jahr, was bestimmt für viele realistisch ist. Nach Abzug der Steuern (28 % von 4 % sind 1,12 %) und Inflation (die Inflation soll 2018 1,9 % betragen haben) bleiben 0,98 % Realgewinn. Für denjenigen, der unter 801 Euro Kapitalerträgen bleibt, entfällt die Steuer komplett, für ihn bleiben 2,1 % Realgewinn.

Auch lässt sich über die Auswirkung der Inflation auf das Portfolio streiten, wenn man regelmäßig Gewinne reinvestiert. Denn zahlenmäßig befindet sich ja trotzdem mehr Geld im Portfolio, welches zwar objektiv weniger wert ist, aber trotzdem noch für den Zinseszins arbeitet.

Wer mehr verdient, zahlt auch mehr Steuern

Die Inflation trifft uns alle, Steuern aber zu Beginn nicht. Mir ist wichtig, dass der Kleinanleger, der sich gerade über seine ersten Euros freut, nicht verschreckt wird mit der Aussage, ihm bleibe nichts übrig. Mit steigenden Kapitaleinnahmen steigt ganz einfach auch die Summe, die man an den Staat und an die Inflation verliert. Daran lässt sich nicht viel ändern, denn das ist das System, in dem wir leben.

Prozentangaben zu Inflation, Steuern und Renditen sind zudem immer relativ. Gerade also bei der Frage, ob nach Steuern und Inflation wirklich "nichts" mehr übrig bleibt, finde ich es deshalb extrem wichtig, sich den konkreten Betrag anzuschauen, der übrig bleibt. Diesen kann man dann ins Verhältnis zu setzen zu den Annehmlichkeiten, die man sich dafür leisten kann. Mit konkreten Summen vor Augen kann jeder Einzelne für sich entscheiden, ob die Investitionsodyssee für ihn Sinn macht oder nicht.

Und der Sparer-Freibetrag ermöglicht im Schnitt eine Steuerersparnis von ca. 200 Euro. Auch hier kann jeder entscheiden, ob er ihn durch einen Freistellungsauftrag bei seiner Bank in Anspruch nimmt oder nicht. Ich hoffe aber vermittelt haben zu können, dass der Sparer-Freibetrag nicht von Grund auf unwichtig ist, sondern ein cooles Tool für Investorenanfänger, ihre Gewinne bis zu einem bestimmten Betrag komplett für sich behalten zu können. Minus die Inflation natürlich, um sie bis zum Schluss berücksichtigt zu haben.