Darum investiere ich mit höherem Risiko

Der letzte Post war ein Portfolio-Update. Daraufhin habe ich einige Hinweise und Fragen bekommen, warum ich ganz und gar in risikoreiche Anlageklassen investiert sei und ob ich Cashreserven habe. Und auf diese Fragen will ich in diesem Beitrag eingehen. Weiter unten stelle ich noch zwei Strategien vor, wie man sein Geld sicherer Anlegen kann, als ich es mache.

Bestimmt wird dadurch gleichzeitig meine Investmentphilosophie deutlicher, womit sich manche vielleicht identifizieren können, andere nicht. Es gibt sogar jene, die sich sogar weniger damit identifizieren sollten, wie zum Beispiel solche, die eine Familie zu ernähren und Auto, Haus und Garten haben.

Zunächst, es ist natürlich nicht so, dass all mein Geld ausnahmslos investiert ist. Ich habe Cashreserven. Die finden sich auf meinem Girokonto und reichen für ca. 3 Monate. Sie sind aber nicht in meinem Anlageportfolio aufgeführt. Cashreserven, die dort auftauchen, warten sozusagen nur darauf, investiert zu werden. Außerdem gibt es noch das Geschäftskonto, auf dem Geld ich für die Steuern Geld zurücklege. Ich bin also neben meinem Portfolio nicht komplett mittellos, allerdings hat dieses Geld recht wenig mit dem Portfolio zu tun, weshalb es auch nicht aufgeführt ist.

Nun zu der Frage, warum ich bisher keinen risikoärmeren Anteil im Portfolio eingebaut habe. Mit risikoärmeren Anteilen sind vermutlich Werte wie Tagesgeld, Anleihen oder Rohstoffe gemeint. Anleihen kann ich mir in Zukunft sehr gut in meinem Portfolio vorstellen. Rohstoffe aber bringen nur Sicherheit und keinen Cashflow, weshalb solch investiertes Geld meiner Meinung nach auch gut auf dem Tagesgeldkonto liegen könnte. Auch Rohstoffe sind Schwankungen unterlegen und gehören deshalb gut diversifiziert, wenn man nicht vielleicht Experte in einem bestimmten Gebiet ist.

Die schnelle Antwort, warum ich derzeit komplett in mit höherem Risiko bewerteten Assets investiert bin, lautet: ohne Risiko, keine Rendite.

Die ausführliche Antwort ist: Aktuell habe ich keine Familie zu ernähren, ich habe kein Auto und auch kein Haus, um welches ich mich kümmern müsste. All diese Punkte sind Quellen für größere unvorhergesehene Ausgaben, weshalb sich meine noch in sehr berechenbaren Grenzen halten. Deshalb bringt es mir meiner Ansicht nach wenig, Geld auf dem Tagesgeldkonto liegen zu haben, welches ich nicht brauche. Dorthin kann ich immer noch welches schieben, wenn die Zeit reif ist. Dann wird weniger investiert oder Einnahmen durch Dividenden in diese sichere Alternative gesteckt.

Geld auf dem Tagesgeldkonto lässt mich vielleicht in unsicheren Zeiten sicherer fühlen und flacht Verluste meiner Anlagen insgesamt ab, aber es lässt mich auch weniger Renditen erwirtschaften und verlangsamt das Momentum. Klar bin ich nahezu komplett in Investments mit höherem Risiko investiert, aber trotzdem liegt eine gewisse Diversifizierung vor, wodurch die Wahrscheinlichkeit eines kompletten Zusammenbruchs reduziert wird.

18 % meines Kapitals sind in einem ETF, der ca. 100 Aktien enthält. 30 % meines Portfolios sind verteilt auf acht Aktiengesellschaften, bei denen sich derzeit keine Branche doppelt und 45 % sind P2P-Kredite von zwei P2P-Plattformen. Die P2P-Investments sind verteilt auf knapp 2700 einzelne Privatkredite, was im Schnitt 2,50 Euro pro Investition macht, der Kredittopf von Go & Grow noch nicht einberechnet, der weitere zigtausend einzelne Investments enthält.

Die Assetklasse der P2P-Kredite ist angesichts ihres jungen Alters und geringerer Erfahrungswerte übergewichtet, das wird sich in nächster Zeit aber weiter ändern. Verfolgt werden kann der Prozess auf der Portfolioseite auf dieser meiner Webseite.

Strategien, um risikoärmer zu investieren?

Das Pantoffel-Portfolio

Das Pantoffel-Portfolio ist eine Erfindung der Stiftung Warentest, die sich damit beschäftigt hat, wie man möglichst einfach und risikolos sein Geld anlegen, aber trotzdem in der heutigen Niedrigzinszeit eine gute Rendite erwirtschaften kann.

Das vorgeschlagene Basis-Portfolio sieht so aus, dass man 50 % in den MSCI World ETF und 50 % in Tagesgeld investiert. Der MSCI World nimmt dabei die Rolle der risikoreichen Aktienanlage und das Tagesgeld die der Absicherung des Portfolios ein. Das Tagesgeld kann auch durch Renten-ETFs ersetzt werden, die in Staats- und Unternehmensanleihen investieren. Mit einem solchen Portfolio soll eine Performance zwischen 6 und 8 Prozent pro Jahr möglich sein.

Je nachdem wie risikoaffin man selbst ist, kann man die 50:50-Verteilung ändern. Risikofreudige haben vielleicht 75 % Aktien und 25 % Absicherung und Risikoscheue anders herum. Hier bietet es sich zum Beispiel an, den Anteil der Aktien nach der Technik "100 - dein Alter" zu bestimmen, da die Sicherheitsbedürftigkeit bei den meisten mit dem Alter steigen wird und dann das Kapital entsprechend groß sein dürfte, um auch mit niedrigeren Renditen in sicheren Anlagen überleben zu können.


Ray Dalios All Weather Portfolio

Ray Dalio ist der Gründer einer der größten Hedgefonds der Welt und auch er hat geforscht, wie man hohe Renditen einfahren und gleichzeitig Kursstürze abfedern kann.

Ray Dalio All Weather.jpg

Sein Rezept sind 40 % langlaufende US-Staatsanleihen, 30 % Aktien (18 % davon der S&P 500), 15 % mittelfristige US-Staatsanleihen, 7,5 % Gold und 7,5 % Rohstoffe. Mit dieser Aufteilung erwirtschaftet Ray eine durchschnittliche Rendite von jährlich knapp 10 %. Der maximale Drawdown betrug 21 % im Jahr 1988. Ansonsten ging die Entwicklung eines solchen Portfolios ohne größere Ecken und Kanten nach oben.

Fazit

Die Anlagestrategie hängt sehr von der aktuellen Lebenssituation ab, weshalb ich bei mir derzeit noch etwas mehr Risiko als erlaubt sehe. Jetzt, da ich noch keine Kinder, kein Haus und kein Auto habe, ist eigentlich der perfekte Zeitpunkte dafür, denn in Zukunft werden nur mehr Sicherheiten nötig sein als heute. Deswegen will ich natürlich die Zeit heute auch für möglichst starke Renditewerte nutzen, um den Zinseszins schneller wirken lassen zu können.

Große Sicherheit ist deshalb in meinem Portfolio NOCH fehl am Platz, mit steigendem Alter wird sich das jedoch wahrscheinlich Stück für Stück ändern.