Ab wann ist ein ETF teurer als Aktien?

ETFs sind passiv gemanagte Fonds, deswegen sind sie im Vergleich zu aktiv gemanagten Fonds ziemlich günstig. Und obwohl sie ziemlich gut für den Kleinanleger geeignet sind, sind sie trotzdem nicht kostenlos. Und je mehr Geld du angelegt hast, desto teurer werden sie.

Die Frage ist, ab wann es sich finanziell mehr lohnt, sich einzelne Aktien ins Depot zu legen, anstatt die Fondsgebühr zu zahlen. In diesem Beitrag schauen wir uns deshalb einmal an, ab wann selbst ein ETF zu teuer fürs Depot sein könnte.

Eine einleitende Erklärung

Ein ETF kostet jährliche Verwaltungsgebühren, die in der “TER”, der Total Expence Ratio angegeben werden. Oft bewegen sich diese im Bereich von 0,04% bis 1,2%. Wobei die 1,2% eigentlich nur auf gehedgte ETFs zutrifft, die besonders ausgefallene Strategien anwenden, um zu versuchen, den Markt zu schlagen. Im Normalfall, bei “normalen” den Markt abbildenden Fonds, wird man auf Gebühren zwischen 0,07% und 0,5% pro Jahr stoßen.

Diese TER wird nicht als Gebühr von deinem Konto abgezogen, sondern taggenau vom Kurs des ETFs. Es sind sozusagen Gebühren, die du außer bei der Kaufentscheidung und bei deiner Analyse nicht wieder sehen wirst, und trotzdem sind sie da.

Du kannst dir die Kosten aber ganz leicht ausrechnen. Hast du 1000 Euro investiert und einen ETF mit einer TER von 0,3%, zahlst du pro Jahr 3 Euro Verwaltungsgebühr. Ganz ohne davon etwas zu bemerken, weil sie vom Kurs abgezogen wird.

3 Euro sind 0,0082 Euro pro Tag. Das stimmt so natürlich wie immer nicht ganz, weil der Kurs schwankt. Aber mit irgendetwas müssen wir hier rechnen, um die Kosten zu veranschaulichen. 3 Euro pro Jahr sind nicht viel und absolut bezahlbar im Vergleich dazu, was man dafür bekommt. Man denke nur daran, wie viel Zeit und Geld es kosten würde, die teilweise Hunderte in einem ETF enthaltenen Titel einzeln zu erwerben.

Und nun zu der Beantwortung der Frage, wann ein ETF finanziell Sinn macht und ab wann er zu teuer wird.

Die TER ist prozentual und steigt mit dem investierten Kapital

Wichtig zu beachten: Die TER ist prozentual. Das heißt, je mehr ich investiert habe, desto teurer wird sie. Bei 1000 Euro sind die Kosten bei 0,3% bzw. 3 Euro pro Jahr nicht der Rede Wert. Bei einem investierten Kapital von 10.000 Euro fallen im genannten Beispiel 30 Euro an, bei 100.000 Euro 300 Euro pro Jahr und bei einer Million 3000 Euro pro Jahr.

Verfolge ich als der oben genannte Millionär vielleicht eine Dividendenstrategie (und will von meinen Dividendeneinkünften leben können) und bekomme eine Dividendenrendite von 2% jährlich, macht das 20.000 Euro Dividendeneinnahmen pro Jahr. Rechne ich die ETF-Gebühren mit ein, bleiben mir effektiv 17.000 Euro übrig (plus Kursgewinne oder minus Kursverluste).

(Das Beispiel bezieht sich immer auf eine TER von 0,3%, hat dein ETF eine andere TER, erhältst du andere Werte.)

Die Vorteile von ETFs im Überblick

  • Diversifikation bzw. Risikostreuung über einen bestimmten Markt

  • Teilweise sehr hohe Diversifikation (über mehrere Hundert oder Tausend Titel) auch mit sehr, sehr kleinem Vermögen ab 25 Euro aktuell

  • Was nicht bedeutet, dass mein Geld 100% sicher ist (auch hier können die Kurse ordentlich in die Knie gehen)

  • Es braucht mich nicht zu interessieren, falls ein einzelnes Unternehmen an die Wand fährt

  • Niedrige Ordergebühren, wenn man per Sparplan kauft

  • Auch die Verwaltungsgebühren sind ziemlich niedrig

ABER sie sind eben nur richtig lohnend für den Kleinanleger. Denn später, wenn du die Million in den ETF investiert hast und mehrere Tausend Euro pro Jahr TER bezahlst, kann es sein, dass du billiger wegkommst, wenn du dir die Aktien einzeln selbst ins Depot legst.



Du kannst natürlich den ETF eins zu eins spiegeln. Hier musst du beachten, dass, wenn mehrere Hundert Werte in einem ETF enthalten sind, sich der Service für das Geld durchaus lohnen kann. Ist es ein kleinerer ETF, ist eine Spiegelung weniger ein Problem.

Falls du dich gegen einen ETF entscheidest, hast du selbstverständlich den Vorteil, dass du dir deine ganz eigene Mischung anhand einer eigenen Aktienstrategie zusammenstellen kannst.

Bedenke, dass du, wenn du die Aktien selbst kaufst, deutlich mehr Ordergebühren für den Kauf, Verkauf und das Rebalancing der Aktien bezahlst.

Für jeden einzelnen Kauf und jeden Verkauf zahlst du diese Gebühren.

Wo ist die Grenze?

Wann lohnt sich also ein ETF und wann lohnt es sich, die Aktien selbst zu kaufen? Ich würde sagen, es gibt es keine feste Grenze, die für jeden gilt.

Die Grenze ist erreicht, wenn die laufenden Gebühren des ETFs teurer sind als die Ordergebühren von einzelnen Aktien.

Wenn ich mehr für den ETF zahle als mich die Ordergebühren kosten, kann ich den ETF selbst abbilden und die ETF-Gebühren sparen. Die Antwort ist unsexy, denn sie bedeutet, dass sich jeder seine eigene Grenze ausrechnen muss.

Ein kurzes Beispiel

Bei einem ETF mit 0,3% TER und einem Vermögen von 100.000 Euro zahlst du beispielsweise 300 Euro Gebühren pro Jahr. 10 Aktien à 10.000 Euro zu kaufen kostet bei einer normalen deutschen Direktbank ca. 30 Euro pro Position, also 300 Euro insgesamt. In dieser Beispielrechnung wären ETF-Kosten und Ordergebühren gleich auf, falls du planst, 10 Aktien statt eines ETFs zu verwalten.

Die Grenze läge also bei dieser Rechnung bei 300 Euro.

Habe ich einen ETF mit einer TER von nur 0,07% und habe 100.000 Euro investiert, kostet er mich nur 70 Euro pro Jahr. Sich den Index selbst zusammenzukaufen würde hier keinen Sinn mehr ergeben.

Wichtig: Das sind alles ungefähre Werte, da das Vermögen im Laufe des Jahres schwankt und der einzelne Tag mal mehr kostet und mal weniger. Wenn ich aber per Sparplan regelmäßig mehr investiere, steigt auch die Gebühr mit jedem Kauf weiter an, soviel ist klar.

Wir merken bereits, es hängt stark von der TER ab und von der Anzahl der Aktien, die ich mir ins Depot legen will. 10 Aktien sind vergleichsweise wenig, damit lässt sich kein ETF oder Markt abbilden. Das geht wahrscheinlich erst ab 30 (Beispiel DAX) los. Die Ordergebühren meiner Bank haben entscheidenden Einfluss, genauso wie meine Bereitschaft, die betreffenden Aktien selbst zu verwalten.

Will ich im gleichen Beispiel mit 0,3% TER meine 100.000 Euro auf 100 verschiedene Aktien zu je 1000 Euro verteilen, muss ich schon 500 bis 1000 Euro Ordergebühren einplanen. Ganz schön teuer. Habe ich aber einen Broker, bei dem ich günstiger handeln kann, zum Beispiel Interactive Brokers, CapTrader oder Degiro, sieht die Sache wieder anders aus. Hier komme ich unter Umständen mit 250 Euro davon, und die Geschichte könnte sich wieder lohnen.

Eine klare Grenze, die für jeden gilt, ab wann man von ETFs Abstand nehmen und sich die Aktien selbst ins Depot legen sollte, konnte ich nicht ausmachen, und die gibt es wahrscheinlich auch nicht. Einfach aufgrund der vielen Faktoren, die hier eine Rolle spielen.


Wenn du aber wissen willst, ob sich der ETF gerade für dich lohnt, kann ich dir diese Formeln an die Hand geben:

TER * Investiertes Volumen / 100

= Das ergibt die jährlichen Gebühren für deinen ETF.

Anzahl erwarteten Käufe und Verkäufe * durchschnittliche Ordergebühr

= Das, was es dich kosten würde, alles selbst zu machen.


Wenn das, was es dich kosten würde, alles selbst zu machen, mehr ist, als der ETF kostet, dann lohnt sich der ETF.

Nötige Überlegungen

  • Bevor du die Rechnung angehst, solltest du dir zu allererst überlegen, wie viele Aktien du in deinem Depot haben willst. Bedenke auch, wie lange es dauert, jede einzelne Aktie zu kaufen.

  • Überlege, welcher Aufwand auf dich zukommt und ob er es dir Wert ist. Letztendlich kostet der ETF vielleicht etwas mehr, aber er spart dir Zeit bei der Verwaltung.

Ich bin gerade mit meinem Anlagekapital in Bereichen, in denen sich ETFs allemal lohnen. Ich werde sie also bis auf Weiteres auch weiterhin wohldosiert besparen.

 

* Dieser Beitrag enthält Werbung. Bei einem Kauf oder einer Anmeldung über meinen Link erhalte ich eine Provision, dir entstehen keine zusätzlichen Kosten. Informationen über die Datensicherheit kannst du der Datenschutzerklärung entnehmen. Das Investieren in Finanzinstrumente ist mit erhöhtem Risiko verbunden. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung.